
{"id":74,"date":"2005-03-10T19:07:48","date_gmt":"2005-03-10T18:07:48","guid":{"rendered":"http:\/\/p107587.typo3server.info\/?p=74"},"modified":"2011-03-25T09:57:50","modified_gmt":"2011-03-25T08:57:50","slug":"denis-riondy-es-gab-vieles-zu-entschuldigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.partnerstadtverein.de\/index.php\/2005\/03\/10\/denis-riondy-es-gab-vieles-zu-entschuldigen\/","title":{"rendered":"Denis Riondy: \u00e2\u20ac\u017eEs gab vieles zu entschuldigen\u00e2\u20ac\u0153"},"content":{"rendered":"<p><strong>60 Jahre nach dem Kriegsende erinnern sich zwei Franzosen aus St. Pierre d\u00e2\u20ac\u2122Albigny an eine d\u00c3\u00bcstere Zeit &#8211; und an die Vers\u00c3\u00b6hnung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-22\" style=\"margin-left: 0px; margin-right: 10px;\" src=\"http:\/\/p107587.typo3server.info\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/waiblinger-kreiszeitung.gif\" alt=\"Waiblinger Kreiszeitung\" width=\"100\" height=\"22\" \/>St. Pierre d\u00e2\u20ac\u2122Albigny. F\u00c3\u00bcr die Menschen in St. Pierre d\u00e2\u20ac\u2122Albigny endete der Zweite Weltkrieg im August 1944. Doch die Monate bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 brachten noch nicht den erhofften Frieden. In den Hochalpen tobten erbitterte K\u00c3\u00a4mpfe. Denis Riondy (67), Vater der Partnerschaft mit Stetten, sagt: \u00e2\u20ac\u017eWir erlebten das Kriegsende nicht euphorisch wie in Paris, eher als gro\u00c3\u0178e Erleichterung.\u00e2\u20ac\u0153<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/p107587.typo3server.info\/wp-content\/uploads\/2005\/03\/050510b1.jpg\" rel=\"lightbox[74]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-88\" style=\"margin-left: 0px; margin-right: 10px;\" src=\"http:\/\/p107587.typo3server.info\/wp-content\/uploads\/2005\/03\/050510b1-150x150.jpg\" alt=\"Waiblinger - Kreiszeitung vom 21.03.2005 Foto: Hans-Joachim Schechinger\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>Als der Krieg im Mai 1945 zu Ende ging, geh\u00c3\u00b6rte Denis Riondy und Louis Perrier die Zukunft. Eine Zukunft, in der Deutschland, wie sich zeigen sollte, eine wichtige Rolle spielen w\u00c3\u00bcrde. Colonel (Oberst) i. R. Louis Perrier erlebte die Kapitulation der Wehrmacht als Zw\u00c3\u00b6lfj\u00c3\u00a4hriger. Denis Riondy, sp\u00c3\u00a4ter Gemeinderat und &#8211; trotz massiver Widerst\u00c3\u00a4nde in St. Pierre &#8211; unbeirrbarer Verfechter der deutsch-franz\u00c3\u00b6sischen Auss\u00c3\u00b6hnung, war bei Kriegsende 17 Jahre alt. Zwischen Deutschen und Nazis machten die jungen Savoyarden, die unter Wehrmacht, Gestapo und SS als grausame Invasoren und Besatzer gelitten hatten, keinen gro\u00c3\u0178en Unterschied. \u00e2\u20ac\u017eNat\u00c3\u00bcrlich hat man aufgeatmet\u00e2\u20ac\u0153, erinnert Denis Riondy den Mai 1945. \u00e2\u20ac\u017eDa war keine Euphorie, eher Freude. Man erlebte es als Befreiung. Es gab zwar Feste, aber nicht so ausgelassene wie in Paris.\u00e2\u20ac\u0153 Louis Perrier urteilt \u00c3\u00a4hnlich: \u00e2\u20ac\u017eIch habe es als Erleichterung erlebt. Eine Erleichterung, die darin bestand, die Deutschen gehen zu sehen und endlich wieder in Ruhe leben zu k\u00c3\u00b6nnen.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Deutschen, das waren die verhassten \u00e2\u20ac\u017eBoches\u00e2\u20ac\u0153. SS und Gestapo f\u00c3\u00bchrten in Savoyen gegen die franz\u00c3\u00b6sischen Widerst\u00c3\u00a4ndler der \u00e2\u20ac\u017eResistance\u00e2\u20ac\u0153, deren meist junge Aktivisten aus dem Untergrund m\u00c3\u00b6rderische Anschl\u00c3\u00a4ge ver\u00c3\u00bcbten, Br\u00c3\u00bccken und Strommasten sprengten, einen trotzigen, erbarmungslosen Kampf. Den Opfern der deutschen Angreifer und Besatzer sind auch in St. Pierre Stra\u00c3\u0178en gewidmet. In der idyllischen Gebirgsregion \u00e2\u20ac\u017eLes Bauges\u00e2\u20ac\u0153 westlich von St. Pierre d\u00e2\u20ac\u2122Albigny ver\u00c3\u00bcbte die Gestapo im Sommer 1944 ein Massaker an Zivilisten, die auch unter Folter die Namen ihrer Kameraden nicht preisgeben wollten. Der 70-j\u00c3\u00a4hrige B\u00c3\u00bcrgermeister wurde mit ihnen erschossen. Mitten auf dem Dorfplatz. Eine Katastrophe, die sich ins kollektive Ged\u00c3\u00a4chtnis eingebrannt hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Louis Perrier sagt heute: \u00e2\u20ac\u017eWir hatten hier ja permanent Attentate. Der Widerstand, das war Terrorismus, aber es war das Resultat einer Revolte gegen die Besatzung. Es gab da Morde von beiden Seiten.\u00e2\u20ac\u0153 Denis Riondy: \u00e2\u20ac\u017eIch hatte ja keine Angst vor den Deutschen, aber die SS hat uns Angst gemacht. Die franz\u00c3\u00b6sische Gestapo war vielleicht noch schlimmer.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00c3\u00bchjahr 1945 hatte sich die Front auf die hohen, verschneiten Alpenk\u00c3\u00a4mme entlang der italienischen Grenze verschoben. Dort dr\u00c3\u00a4ngten zwischen August \u00e2\u20ac\u02dc44 und Mai \u00e2\u20ac\u02dc45 franz\u00c3\u00b6sische Gebirgsj\u00c3\u00a4ger die Einheiten der Wehrmacht in erbitterten Scharm\u00c3\u00bctzeln nach Osten zur\u00c3\u00bcck. Amerikanische Flugzeuge unterst\u00c3\u00bctzten die Franzosen mit Bombardements der Versorgungslinien: Sie zerst\u00c3\u00b6rten im August 1944 die Pont Royal bei St. Pierre d\u00e2\u20ac\u2122Albigny, eine heute wieder vielbefahrene Is\u00e2\u20ac\u02dcere-Br\u00c3\u00bccke, \u00c3\u00bcber die es hinauf in die \u00e2\u20ac\u017eMaurienne\u00e2\u20ac\u0153 geht. \u00e2\u20ac\u017eF\u00c3\u00bcr uns war und ist es v\u00c3\u00b6llig unverst\u00c3\u00a4ndlich, dass sich zwei V\u00c3\u00b6lker mitten in Europa bekriegen\u00e2\u20ac\u0153, ringt Louis Perrier noch immer um eine Antwort auf das Warum. \u00e2\u20ac\u017eUns Jugendlichen wurde gesagt: Ihr m\u00c3\u00bcsst euch vor den Deutschen h\u00c3\u00bcten.\u00e2\u20ac\u0153 Ein Misstrauen, das sich in den 50er Jahren milderte, als Frankreich tief im Sumpf der Kolonialkriege in Indochina und Algerien steckte. Eine andere Front war da er\u00c3\u00b6ffnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Perrier schlug die Offiziers-Laufbahn ein. 1963 kam er nach Konstanz, wurde sp\u00c3\u00a4ter als Colonel nach Berlin abgeordnet und dort Zeuge des Eisernen Vorhangs. \u00e2\u20ac\u017eIn dieser Zeit habe ich die deutsch-franz\u00c3\u00b6sische Freundschaft erlebt\u00e2\u20ac\u0153, sagt der Mann heute, dem die Verst\u00c3\u00a4ndigung eine Herzenssache geworden ist. \u00e2\u20ac\u017eMein Herz und das meiner Kinder ist heute offen f\u00c3\u00bcr Deutschland wie f\u00c3\u00bcr Italien oder Spanien.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die im D\u00c3\u00a9partement unvergessenen deutschen Massaker waren f\u00c3\u00bcr Denis Riondy anfangs das gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178te Hindernis auf dem Weg zur deutsch-franz\u00c3\u00b6sischen Jumelage. Zw\u00c3\u00b6lf Jahre lang amtierte er als Gemeinderat in St. Pierre <a href=\"http:\/\/p107587.typo3server.info\/wp-content\/uploads\/2005\/03\/050510c.jpg\" rel=\"lightbox[74]\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-78\" style=\"margin-left: 10px; margin-right: 10px;\" src=\"http:\/\/p107587.typo3server.info\/wp-content\/uploads\/2005\/03\/050510c-150x150.jpg\" alt=\"Waiblinger - Kreiszeitung vom 21.03.2005 Foto: Hans-Joachim Schechinger\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a>d\u00e2\u20ac\u2122Albigny. Als der Kommunalpolitiker in den 60er Jahren vorschlug, Kontakt mit Stetten aufzunehmen, st\u00c3\u00bcrzten heftige Anfeindungen und Drohungen auf ihn ein. Eine Frau, deren Sohn die Deutschen auf dem Gewissen hatten, schimpfte ihn in einer Metzgerei \u00c3\u00b6ffentlich \u00e2\u20ac\u017eassassin\u00e2\u20ac\u0153 &#8211; M\u00c3\u00b6rder. \u00e2\u20ac\u017eWir hatten damals die Wahl zwischen Italien, England und Deutschland. Ich wollte die Partnerschaft mit Deutschland, um miteinander zu reden und endlich die Konflikte aus der Welt zu schaffen.\u00e2\u20ac\u0153 Das Hauptmotiv f\u00c3\u00bcr den Partnerschaftsengagierten aus Frankreich: \u00e2\u20ac\u017eEs gab da vieles zu entschuldigen und vieles zu lernen \u00c3\u00bcber die anderen.\u00e2\u20ac\u0153 Trotz hartn\u00c3\u00a4ckiger Widerst\u00c3\u00a4nde &#8211; die Freundschaft gedieh wie ein Pfl\u00c3\u00a4nzchen auf kargem Boden. Im Remstal war Riondy immer wieder zu Gast, und Freundschaften wuchsen. \u00e2\u20ac\u017eIn Stetten f\u00c3\u00bchlte ich mich wie bei mir zu Hause\u00e2\u20ac\u0153, sagt der 67-J\u00c3\u00a4hrige und l\u00c3\u00a4chelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">60 Jahre nach der Kapitulation stimmt das Verh\u00c3\u00a4ltnis der Feinde von damals. Deutsche und Franzosen wissen voneinander, pflegen das Miteinander. \u00e2\u20ac\u017eVier von sieben Enkeln sprechen Deutsch, ein gutes Zeichen\u00e2\u20ac\u0153, freut sich Partnerschaftspionier Riondy. Auch die ressentimentsgeladene Gleichung Deutscher und Nazi scheint in Savoyen \u00c3\u00bcberwunden. Auf dem Mahnmal zu Ehren der Ermordeten in \u00e2\u20ac\u017eLes Bauges\u00e2\u20ac\u0153 steht heute: \u00e2\u20ac\u017eOpfer der Nazi-Barbarei.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n<address>Quelle:\u00c2\u00a0 Waiblinger &#8211; Kreiszeitung vom 21.03.2005\u00c2\u00a0 Text: Hans-Joachim Schechinger Foto: Hans-Joachim Schechinger<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>60 Jahre nach dem Kriegsende erinnern sich zwei Franzosen aus St. Pierre d\u00e2\u20ac\u2122Albigny an eine d\u00c3\u00bcstere Zeit &#8211; und an die Vers\u00c3\u00b6hnung St. Pierre d\u00e2\u20ac\u2122Albigny. 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